30.03.2017

Das Grabmal des Kaufmanns Albin Lorenz (1857–1938)

Der Leipziger Kaufmann Albin Lorenz war gemeinsam mit seinem um zwei Jahre jüngeren Bruder Moritz nicht nur Inhaber einer Schmuckwaren-Großhandlung in der Grimmaischen Straße 32, sondern auch einer Fabrikationsstätte für zahnärztliche Bedarfsartikel mit zugehöriger Handelseinrichtung bei gleicher Adresse.
Der Vater Carl Albin Lorenz hatte schon vor 1860 ein „Bijouteriefabrikgeschäft“ und im Jahre 1863 noch eine Fabrik gegründet, in der „künstliche Zähne und zahnärztliche Fournituren“ hergestellt wurden. Nach dem Tode des Vaters erbten die Söhne die florierenden Unternehmungen und vermehrten den familiären Wohlstand weiter.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, eilte auch Herbert Albin Alfred Lorenz, der einzige Sohn des Albin Lorenz, zu den deutschen Waffen, um das Vaterland siegreich zu verteidigen. Er brachte es bis zum Leutnant und Kompanieführer. Aber sein Leben endete in den letzten Tagen dieses mörderischen Krieges nicht auf dem Schlachtfeld, sondern er starb am 18. Oktober 1918 im Alter von erst 25 Jahren „nach schönen Urlaubstagen an den Folgen einer schweren Lungenentzündung nachmittags um ½ 2 Uhr im Hause seiner Schwiegereltern“.

In der zum Heldenfriedhof bestimmten XV. Abteilung des Südfriedhofes wurde er am 23. Oktober 1918 mit militärischem Zeremoniell zu Grabe getragen. Während die Helden mit normalem Mannschaftsdienstgrad auf dem Hauptfeld des Areals in Reihengräbern beerdigt wurden, erhielten die Offiziere wie Herbert Lorenz ihr „Kriegergrab“ grundsätzlich am Rande der von Wegen gesäumten Abteilung.

Im Rabattengrab No.12 dieses Heldenfriedhofes ruhte schon damals Dr. Hans Coelsch, der als Leutnant im Feldartillerie-Regiment No.6 schon im ersten Kriegsjahr, am 17. November 1914, gefallen war. Er war ein Schwager des Leutnants Herbert Lorenz gewesen und zu seinen Lebzeiten im zivilen Leben einst Inhaber einer Speditionsfirma.
Einige Monate nach der Beerdigung des Leutnants Herbert Lorenz wurde auf Veranlassung der Familie am 13. April 1919 der Leutnant Dr. Hans Coelsch aus seinem Grabe in dieses nunmehr zur familiären Grabstätte bestimmten Erbbegräbnisses umgebettet.

Im September 1919 beauftragte Albin Lorenz dann schließlich den Leipziger Bildhauer Alfred Fränzel mit dem Entwurf und der Errichtung eines standesgemäßen Grabmales.
Schon wenige Tage später, am 23. September 1919, wurde die Genehmigung für das Grabmal erteilt, welches dann über den Winter 1919/1920 in der Fränzel-Werkstatt aus grünem Spremberger Syenit gefertigt wurde. Die auf dem zweistufigen Sockel des Grabmales stehende bronzene weibliche Figur lehnt sich mit ihrem rechten Arm an den mit einer rosengefüllten Bronzeschale bekrönten Hauptstein des Grabmales an. Es könnte sich symbolisch um die trauernde Gattin des hier in seinem Grabe ruhenden Leutnants Herbert Lorenz handeln, gleichsam aber kann diese Symbolik auch auf die beiden hinterbliebenen Frauen der hier in ihren Gräbern ruhenden Offiziere erweitert werden.
Aber so recht will sich beim Betrachten der Plastik an diesem irdischen Ort keine Trauerstimmung entfalten, sondern es verbreitet sich beim Anblick dieser Figur prompt eine lasziv-erotische Stimmung, die eher an einst erlebte paradiesische Stunden zu erinnern vermag.

Auszugsweise zitiert aus:
Alfred E. Otto Paul „Die Kunst im Stillen – Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen“
Band No. 06  Seite 118 ff.