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Grabmal des Cellisten Prof. Julius Klengel – Beginn der Restaurierung

Grabmal Julius Klengel und seiner Familie / Bildhauer: Alfred Thiele, wohl 1938 / Fotografie: Heinz-Joachim Halbach

Nachdem die Paul-Benndorf-Gesellschaft im Frühjahr die letzte Ruhestätte des Thomaskantors Karl Straube in einen würdigen Zustand versetzt hat – neben der hervorragenden Restaurierung des Grabmales erfolgte auch die vorbildliche Neuanlegung Grabstätte ausschließlich mit eigenen finanziellen Mitteln – widmet sie sich nunmehr ehrenhaft der dringend notwendigen Restaurierung der dreiteiligen Grabmalanlage des einst weltbedeutenden Cellisten Julius Klengel.

Der am 24. September 1859 in Leipzig geborene Julius Klengel - Sproß einer seit Generationen wirkenden Musikerfamilie – wurde seit seinem siebenten Lebensjahr im Violoncello unterrichtet und galt bald als ein besonders talentiertes musikalisches Wunderkind. Bereits mit 15 Jahren wurde er Solist des Leipziger Gewandhausorchesters und 1881 wurde er erhoben zum Lehrer am Konservatorium, ab 1886 war er 1. Solo-Cellist des berühmten Klangkörpers. Im Alter von erst 30 Jahren ernannte man ihn zum Professor und schon bald galt er als der beste Cellist in Mitteldeutschland, von Brahms sehr bewundert und verehrt, mit Max Klinger engstens befreundet. Er war ein großer Cellist und aber auch ein ebenso großer Lehrer – nahezu tausend Studenten hat Julius Klengel ausgebildet.

Julius Klengel starb am 27. Oktober 1933 am frühen Morgen um 5 Uhr im Alter von 74 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit. 50 Jahre lang war er Mitglied des Leipziger Gewandhausorchesters, eine das Orchester prägende Persönlichkeit.

Im Nekrolog, der einen Tag nach seinem Tode in den Leipziger Neuesten Nachrichten erschien, verwies man auf ihn als den Altmeister des Cellospiels, der in allen Erdteilen gefeiert wurde, als den Ersten der deutschen Violoncellisten. Man verwies auf seinen Weltruf und nannte ihn ehrfürchtig den „Cellistenmacher“, ein Virtuose von unfehlbarer Sicherheit und Ruhe. Man lobte seinen scharfen Verstand und seinen kernigen Humor, seine rastlose Arbeit bis in die letzten Wochen seines Lebens. Und man legte besonderen Wert darauf, in nahezu sakraler Verehrung an Julius Klengels beeindruckender Bescheidenheit zu erinnern.

Grabmal Julius Klengel – Detail Porträt Julius Klengel, Bronze / Bildhauer: Alfred Thiele, 1938 / Fotografie: Heinz-Joachim Halbach

Am 30. Oktober 1933 nachmittags um ½ 4 Uhr war die Hauptkapelle des Südfriedhofes übervoll gefüllt mit Berufsgenossen und Verehrern. Fahnenabordnungen verschiedener Gesangsvereine standen beidseitig des Sarges, ein Meer von Blumen und Kränzen umgab den Katafalk. Nach dem Orgelpräludium erklang dann Klengels Hymne für 12 Celli, danach – auf ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen – die von Klengel bearbeitete Fassung für 4 Celli des ave verum von Mozart.

Pfarrer Carl Bonhoff predigte zum 33. Psalm „Danke dem Herrn mit der Zither“, Professor Davisson sprach im Namen des Konservatoriums. Nach dem Feuerspruch „Heilige Flamme, nimm mich wieder…“ und dem Vaterunser sank der Sarg langsam in die Tiefe, die Fahnen senkten sich.

Ein Großer im Reiche der Musik war eingegangen in die Harmonie.

Die Asche von Julius Klengel wurde beigesetzt in einem Reihengrab in der IV. Abteilung des Neuen Johannisfriedhofes mit der Bezeichnung IV. R. 54 – ein Jahr später folgte ihm seine Frau Marie Helene geb. Kretschmann, die er 1884 geheiratet hatte, im Tode nach.

Die Umstände, dass der Neue Johannisfriedhof – der kulturgeschichtlich bedeutendste Friedhof Leipzig – bereits 1950 geschlossen wurde für künftige Bestattungen, veranlasste die Familie schließlich zur Aufgabe des Grabes und den Neuerwerb der heutigen Grabstätte in der XVIII. Abteilung des Südfriedhofes. Am 11. Dezember 1957 erfolgte die Umbettung der Urnen mit der Asche von Julius Klengel und seiner Frau Helene vom Neuen Johannisfriedhof zum Südfriedhof und deren Einbettung in die neuerworbene Grabstätte.

Das vermutlich im Jahre 1938 vom renommierten Leipziger Bildhauer Alfred Thiele geschaffene Grabmal wurde umgesetzt und über dem neuen Grabe der Eheleute Klengel errichtet.

Nach über sechzig Jahren seit seiner Neuerrichtung zeigt die dreiteilige sandsteinerne Grabmalanlage deutlichste Spuren der Vergänglichkeit durch Auswitterung, besonders die wetterseitige Front mit der Beschriftung und dem von Alfred Thiele geschaffenen bronzenen Porträtbildnis, welches mit einiger Sicherheit in der legendären Bronzebildgießerei Traugott Noack gegossen wurde. Unter Federführung der Paul-Benndorf-Gesellschaft zu Leipzig e.V. erfolgt nun die umfassende Restaurierung des Grabmales und abschließend eine würdige Neuanlegung der gärtnerischen Bepflanzung der Klengel-Grabstätte.

Dabei sind maßgeblich zahlreiche Musiker des Gewandhausorchesters Leipzig – insbesondere die Cellisten – an diesem Projekt beteiligt und unterstützen mit erheblichen Geldspenden dieses ehrenhafte Vorhaben. Nach der vollständigen Fertigstellung der Wiederherstellung der Grabstätte Klengel werden die Cellisten des Gewandhausorchesters im Rahmen einer dauerhaften Patenschaft für den künftigen Erhalt der letzten Ruhestätte ihres Altmeisters Julius Klengel löblich Verantwortung übernehmen.

Mit der Bewilligung von über siebentausend Euro Fördermittel unterstützt der Freistaat Sachsen dieses Kulturprojekt in entscheidendem Maße und hat damit die Realisierung dieses anspruchsvollen Restaurierungsprojektes überhaupt erst möglich gemacht.


Alfred E. Otto Paul – 06. Mai 2021