Aktuelle Projekte

Vorbereitung der Restaurierung des Grabmales des Opernsängers Otto Schelper  (1844 – 1906)

Grabmal Otto Schelper – Bestand März 2022 Bildhauer Max Lange, 1907 Fotografie: Heinz-Joachim Halbach

Anlässlich des 30 – jährigen Jubiläums der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hat der Vorstand der Paul-Benndorf-Gesellschaft gemeinsam mit der DSD die umfassende Restaurierung der Grabmalanlage des Opernsängers Otto Schelper im Jahre 2022 beschlossen.

Nach dem frühen Tode des bedeutenden Wagner-Interpreten im Jahre 1906 gründete sich sehr schnell unter den zahlreichen Freunden und Verehrern eine Initiative, die den Leipziger Bildhauer Max Lange mit der Schaffung eines würdigen und angemessenen Grabmales für Otto Schelper beauftragte.

Im Jahr darauf, am Johannistage 1907, fand schließlich die feierliche Enthüllung des von Max Lange gänzlich aus Muschelkalkstein geschaffenen Grabmales statt. Der Künstler hat in klassisch-antiker Tradition über gewaltigen, gekehlten Sockelschwellen eine Wand aus kräftigen Quadern errichtet, die ihren oberen Abschluss in einem ausgesprochen monumentalen, dreigeteiltem kehlenprofilierten Gesims findet und damit den Eindruck einer antiken ägyptischen Tempelfront vermittelt. Diese tempelartige Wandarchitektur wird deutlich verstärkt durch eine typisch antike, scheintürartige, konische Fläche, die geschmückt ist mit einem eindrucksvollen, trapezförmigen bronzenen Reliefbildnis des an diesem Ort  ruhenden herzoglichen Kammersängers Otto Schelper. Die Architektur des Bildnisses folgt in ihrer konischen Form der an eine Stele erinnernden Fläche, in die es bündig eingearbeitet ist. Gleichsam können wir diese reliefgeschmückte Fläche im Zentrum der Grabmalwand auch als eine Art Altar interpretieren, worauf die beiden flankierend dargestellten weiblichen Figuren verweisen, die wir sowohl als Allegorien oder auch als Musen deuten können. Zumindest symbolisiert die rechtsseitig abgebildete Figur der beiden im Flachrelief Dargestellten die Liebe und die Sehnsucht, wofür das Saiteninstrument spricht. Die linksseitige Figur, darauf deutet der in ihrer Hand befindliche Schleier, symbolisiert die Trauer.  

Kräftige Schwellen aus Muschelkalkstein umschließen den eigentlichen Grabbezirk vor dem Grabmal, wobei die beidseitig begrenzenden Schwellen am unmittelbaren Übergang zwischen Einfriedung und Denkmal jeweils mit einem plastischen Bildnis geschmückt sind. In diesen erkennen wir unschwer eine Reminiszenz an den von Schelper so oft dargestellten Wotan aus dem „Ring der Nibelungen“ und gleichsam eine symbolische Honneur für den großen Mimen Otto Schelper selbst.

Da Wotan in der nordischen Mythologie auch als der Gott der Toten gilt, so können wir ikonografisch diese bärtigen Bildmasken unbedingt auch dem Totenkultus zuordnen. Das für die Sepulkralarchitektur des Leipziger Südfriedhofes einmalige Werk ist durch jahrzehntelange Vernachlässigung der notwendigen baulichen Unterhaltung auch wichtiger Werkstücke beraubt worden und weist zudem herbeigeführte statische Unzulänglichkeiten auf, die nunmehr umfangreiche Arbeiten zur Sicherung der Wandarchitektur erfordern. 

 

Grabmal Otto Schelper Historische Fotografie um 1912 Archiv Südfriedhof Leipzig
Grabmal Otto Schelper Historische Fotografie um 1912 Archiv Südfriedhof Leipzig

An den nicht unerheblichen Kosten beteiligt sich maßgeblich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und auch das für den Leipziger Südfriedhof zuständige Amt für Stadtgrün und Gewässer hat angemessene finanzielle Unterstützung dieses umfänglichen Restaurierungsprojektes zugesagt. Schlussendlich liegt die Federführung bei der Paul-Benndorf-Gesellschaft, die somit erneut ein bedeutendes Zeugnis der Leipziger Musikgeschichte für künftige Generationen sichert.

Das Friedhofsgärtner-Team der Blumenhalle am Südfriedhof unter Leitung des Gärtnermeisters Steffen Schröder wird abschließend im September die gärtnerische Gestaltung der Grabfläche ausführen und deren künftige Pflege sichern.

Wir bitten Sie herzlich um ihre Unterstützung dieses umfangreichen Restaurierungsprojektes durch eine gütige Geldspende – das Konto unserer gemeinnützigen Gesellschaft lautet:

Deutsche Bank Leipzig
IBAN DE03 8607 0024 0144 4660 00

 

 

 

 

 

 

Grabmal des Cellisten Prof. Julius Klengel – Beginn der Restaurierung

Grabmal Julius Klengel und seine Familie

Nachdem die Paul-Benndorf-Gesellschaft im Frühjahr die letzte Ruhestätte des Thomaskantors Karl Straube in einen würdigen Zustand versetzt hat – neben der hervorragenden Restaurierung des Grabmales erfolgte auch die vorbildliche Neuanlegung Grabstätte ausschließlich mit eigenen finanziellen Mitteln – widmet sie sich nunmehr ehrenhaft der dringend notwendigen Restaurierung der dreiteiligen Grabmalanlage des einst weltbedeutenden Cellisten Julius Klengel.

Der am 24. September 1859 in Leipzig geborene Julius Klengel - Sproß einer seit Generationen wirkenden Musikerfamilie – wurde seit seinem siebenten Lebensjahr im Violoncello unterrichtet und galt bald als ein besonders talentiertes musikalisches Wunderkind. Bereits mit 15 Jahren wurde er Solist des Leipziger Gewandhausorchesters und 1881 wurde er erhoben zum Lehrer am Konservatorium, ab 1886 war er 1. Solo-Cellist des berühmten Klangkörpers. Im Alter von erst 30 Jahren ernannte man ihn zum Professor und schon bald galt er als der beste Cellist in Mitteldeutschland, von Brahms sehr bewundert und verehrt, mit Max Klinger engstens befreundet. Er war ein großer Cellist und aber auch ein ebenso großer Lehrer – nahezu tausend Studenten hat Julius Klengel ausgebildet.

Julius Klengel starb am 27. Oktober 1933 am frühen Morgen um 5 Uhr im Alter von 74 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit. 50 Jahre lang war er Mitglied des Leipziger Gewandhausorchesters, eine das Orchester prägende Persönlichkeit.

Im Nekrolog, der einen Tag nach seinem Tode in den Leipziger Neuesten Nachrichten erschien, verwies man auf ihn als den Altmeister des Cellospiels, der in allen Erdteilen gefeiert wurde, als den Ersten der deutschen Violoncellisten. Man verwies auf seinen Weltruf und nannte ihn ehrfürchtig den „Cellistenmacher“, ein Virtuose von unfehlbarer Sicherheit und Ruhe. Man lobte seinen scharfen Verstand und seinen kernigen Humor, seine rastlose Arbeit bis in die letzten Wochen seines Lebens. Und man legte besonderen Wert darauf, in nahezu sakraler Verehrung an Julius Klengels beeindruckender Bescheidenheit zu erinnern.

Grabmal Julius Klengel – Detail Porträt Julius Klengel, Bronze / Bildhauer: Alfred Thiele, 1938 / Fotografie: Heinz-Joachim Halbach

Am 30. Oktober 1933 nachmittags um ½ 4 Uhr war die Hauptkapelle des Südfriedhofes übervoll gefüllt mit Berufsgenossen und Verehrern. Fahnenabordnungen verschiedener Gesangsvereine standen beidseitig des Sarges, ein Meer von Blumen und Kränzen umgab den Katafalk. Nach dem Orgelpräludium erklang dann Klengels Hymne für 12 Celli, danach – auf ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen – die von Klengel bearbeitete Fassung für 4 Celli des ave verum von Mozart.

Pfarrer Carl Bonhoff predigte zum 33. Psalm „Danke dem Herrn mit der Zither“, Professor Davisson sprach im Namen des Konservatoriums. Nach dem Feuerspruch „Heilige Flamme, nimm mich wieder…“ und dem Vaterunser sank der Sarg langsam in die Tiefe, die Fahnen senkten sich.

Ein Großer im Reiche der Musik war eingegangen in die Harmonie.

Die Asche von Julius Klengel wurde beigesetzt in einem Reihengrab in der IV. Abteilung des Neuen Johannisfriedhofes mit der Bezeichnung IV. R. 54 – ein Jahr später folgte ihm seine Frau Marie Helene geb. Kretschmann, die er 1884 geheiratet hatte, im Tode nach.

Die Umstände, dass der Neue Johannisfriedhof – der kulturgeschichtlich bedeutendste Friedhof Leipzig – bereits 1950 geschlossen wurde für künftige Bestattungen, veranlasste die Familie schließlich zur Aufgabe des Grabes und den Neuerwerb der heutigen Grabstätte in der XVIII. Abteilung des Südfriedhofes. Am 11. Dezember 1957 erfolgte die Umbettung der Urnen mit der Asche von Julius Klengel und seiner Frau Helene vom Neuen Johannisfriedhof zum Südfriedhof und deren Einbettung in die neuerworbene Grabstätte.

Das vermutlich im Jahre 1938 vom renommierten Leipziger Bildhauer Alfred Thiele geschaffene Grabmal wurde umgesetzt und über dem neuen Grabe der Eheleute Klengel errichtet.

Nach über sechzig Jahren seit seiner Neuerrichtung zeigt die dreiteilige sandsteinerne Grabmalanlage deutlichste Spuren der Vergänglichkeit durch Auswitterung, besonders die wetterseitige Front mit der Beschriftung und dem von Alfred Thiele geschaffenen bronzenen Porträtbildnis, welches mit einiger Sicherheit in der legendären Bronzebildgießerei Traugott Noack gegossen wurde. Unter Federführung der Paul-Benndorf-Gesellschaft zu Leipzig e.V. erfolgt nun die umfassende Restaurierung des Grabmales und abschließend eine würdige Neuanlegung der gärtnerischen Bepflanzung der Klengel-Grabstätte.

Dabei sind maßgeblich zahlreiche Musiker des Gewandhausorchesters Leipzig – insbesondere die Cellisten – an diesem Projekt beteiligt und unterstützen mit erheblichen Geldspenden dieses ehrenhafte Vorhaben. Nach der vollständigen Fertigstellung der Wiederherstellung der Grabstätte Klengel werden die Cellisten des Gewandhausorchesters im Rahmen einer dauerhaften Patenschaft für den künftigen Erhalt der letzten Ruhestätte ihres Altmeisters Julius Klengel löblich Verantwortung übernehmen.

Mit der Bewilligung von über siebentausend Euro Fördermittel unterstützt der Freistaat Sachsen dieses Kulturprojekt in entscheidendem Maße und hat damit die Realisierung dieses anspruchsvollen Restaurierungsprojektes überhaupt erst möglich gemacht.


Alfred E. Otto Paul – 06. Mai 2021