Kunstwerke des Monats 2019

Januar 2019
Grabstele Oberbürgermeister Zeigner / Fotografie Angela Huffziger

Die Grabstätte des Oberbürgermeisters Erich Zeigner (1886 – 1949)

Ein Leipziger Bildhauer, Gustav Burkhardt (1890-1970), nahm dem verstorbenen Erich Zeigner die Totenmaske ab und formte ebenso für die Nachwelt dessen Hände in Gips.
Im Rahmen eines Staatsaktes fand die Trauerzeremonie in der Kongresshalle im Zoo statt.
Der Minister für Schwerindustrie in der Sowjetischen Besatzungszone, Fritz Selbmann (1899-1975), hielt die Trauerrede.
Der Leichnam von Erich Zeigner wurde am 09. April 1949 im Krematorium des Südfriedhofes eingeäschert.

Und nun wollen wir hier abschließend den Menschen Erich Zeigner würdigen, wie er es wohl verdient hat, und uns auch seinem Grabe widmen.
Durchaus glaubhaft wollte Zeigner als Oberbürgermeister in treuer Demut und ohne Eigennutz seiner Stadt dienen. Von tiefster Symbolik für Zeigners Selbstverständnis in der Amtsführung als Stadtoberhaupt gilt die Tatsache, dass Zeigner unmittelbar nach seinem Amtsantritt die im Leipziger Museum der bildenden Künste befindliche Rodin-Plastik des opferbereiten „Jean d´Aire“, ein Teil des Bronzemonuments „Bürger von Calais“, in seinem Amtszimmer aufstellen ließ.
Wie viele andere linke Zeitgenossen seiner Generation wollte er in jenen Jahren in absoluter Überzeugung und mit aller Kraft für die Errichtung einer gerechteren Welt in einem neuen Deutschland wirken. Einer Welt des sozialen Friedens, der Beseitigung der Standesschranken sowie des wirtschaftlichen Wohlstandes, insbesondere der Arbeiterklasse.
Er sah sich den Menschen seiner Stadt verpflichtet und er, der eigentlich von schwächlicher Konstitution war, hat die Riesenlast getragen, eine neue Kommunalverwaltung aufzubauen und die Enttrümmerung der kriegszerstörten Stadt Tag für Tag auf den Weg zu bringen.
Wohl kein Bürgermeister in der Geschichte dieser Stadt musste einen solchen Kelch leeren, wie er für Zeigner bestimmt war. Und so manche seiner politischen Siege waren auch Pyrrhussiege.
Immer sah er sich als Primus inter Pares – als Erster unter Gleichen.

Und er setzte weitere Zeichen seiner Glaubwürdigkeit. So blieb er höchstbescheiden in der einfachen Mietwohnung in Plagwitz, in der er schon mit den Eltern seit ihrer Ankunft in Leipzig gelebt hatte und in der er auch mit seiner Frau Annemarie und den drei Kindern lebte.
Und auch in der Bestimmung seines Grabesortes zeigte sich diese Glaubwürdigkeit, denn er wollte im einfachen, schlichten Reihengrabe in der XI. Abteilung des Südfriedhofes, in der bereits am 26. August 1916 Zeigners älterer Bruder Fritz, ein Kunstmaler, beerdigt worden war, bestattet werden. Der Musketier Fritz Zeigner erlag damals fünf Tage zuvor in einem Lazarett in Aachen seinen schweren Wunden, die er zuvor auf einem Schlachtfeld des Ersten Weltkrieges in Nordfrankreich erhalten hatte.
Erich Zeigner hatte in seinem Testament auch gebeten, von öffentlichen Trauerakten abzusehen, denn er wollte die inszenierte Theatralik mit ihren Unwahrheiten nicht, er wollte
wohl einen ehrlichen Abschied im Kreis der Familie und weniger Freunde.

Nachdem Zeigners Leichnam eingeäschert war, zeigte man sich allerdings nicht bereit, die Verfügungen des Verstorbenen hinsichtlich seiner Bestattung zu beachten.
Aus dem ursprünglich einfachen „Kriegergrab“ des Bruders Fritz wurde jetzt inmitten der Reihengrabanlage in der XI. Abteilung des Südfriedhofes eine halbwegs „standesgemäße“ Grabstätte konstruiert, indem man insgesamt fünf weitere Reihengräber einzog und diese der Grabstätte für Erich Zeigner zuschlug.
An der Beisetzung der Asche von Erich Zeigner hat nur der engste Zirkel der Familie teilgenommen, sodass wohl keine zwölf Leute an seinem Grabe waren.

Noch im Todesjahr von Erich Zeigner wurde vom Bildhauer Gustav Burkhardt die kräftige,
133 cm hohe Travertinstele sowie das Reliefbild als Vorlage für den Guss des bronzenen Tondo gefertigt.
Die sich heute auf der Stele befindliche Schale aus Travertin ist eine Zutat aus späterer Zeit, die erst nach 1996 hierher gelangte.

In Auszügen zitiert aus:
Alfred E. Otto Paul „Die Kunst im Stillen – Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen“
Band No.06  Seite 102 ff.