Kunstwerke des Monats 2021

April 2021
Grabmal der Familie Richard Wostratzky / Bildhauer Kurt Günther / Fotografie Heinz-Joachim Halbach

Das Grabmal des Hoteliers Richard Wostratzky (1869 – 1930)

Der vermutlich in Leipzig geborene Richard Wostratzky war offenbar sein Leben lang mit Leib und Seele dem gastronomischen und dem Hotelgewerbe eng verbunden.
Als junger Mann muss er rasch geheiratet haben, denn bereits im Jahre 1891 kam sein erstgeborener Sohn Gustav als erstes Kind der Eheleute auf die Welt. Dennoch verbrachte der frisch Vermählte von 1890 bis 1892 als Angehöriger der 6. Kompanie im 7. Königlich-Sächsischen Infanterieregiment No.106 seine obligate Militärzeit in der riesigen Kaserne an der Halleschen Straße in Möckern und war fortan auch immer dem entsprechenden Militärverein der 106er eng verbunden.


Bald aber kam schwere Krankheit über Richard Wostratzky, den Patriarchen der Familie, und es begann für ihn eine lange Zeit des Leidens. Als er 60 Jahre alt wurde, waren seine Tage bereits gezählt. Nachdem er den Kelch geleert hatte, starb Richard Wostratzky am Abend des 02. Juni 1930 im Terrassenhotel in Stettin. Warum er ausgerechnet an diesem Ort sein Leben beschloss, vermögen wir nicht zu sagen – aber es findet sich in den Friedhofsakten ein Hinweis, der auf ihn als Eigentümer dieses recht gediegenen Stettiner Hotels deutet.

Jedenfalls fand am Freitag, dem 06. Juni 1930 nachmittags um ¾ 4 Uhr in der Hauptkapelle des Stettiner Friedhofes die Trauerfeier statt und am nachfolgenden Tag wurde sein Leichnam im dortigen Krematorium eingeäschert.
Zwei Wochen später erfolgte am 21. Juni 1930 die Beisetzung seiner Asche in der XXIII. Abteilung des Südfriedhofes im Rabattengrab No.240 der zweistelligen Grabstätte, welche die Witwe Anna Wostratzky bereits am 13. Juni 1930 auf vorerst 30 Jahre käuflich erworben hatte.

Sicherlich noch im gleichen Jahr hat der Leipziger Kunstbildhauer Kurt Günther die Grabplastik geschaffen, die wohl in der Leipziger Bronzegießerei des Traugott Noack gegossen wurde. Warum ausgerechnet der nur mäßig anerkannte Bildhauer Kurt Günther mit der Schaffung des Grabmales für die Familie Wostratzky betraut wurde, dürfte sich aus der persönlichen Bekanntschaft der Familie mit dem Künstler erklären lassen.
Gustav Wostratzky, der Sohn des Verstorbenen, wohnte ab 1933 nicht zufällig nur vier Häuser vom Bildhauer entfernt.
Kurt Günther ist heute weithin vergessen und nur noch wenige Spuren seines Schaffens sind mühsam zu finden.*

Der Künstler bediente sich bei der Schaffung des Grabmales dem klassischen Motiv des Thanatos, des nackten knienden Jünglings mit der gesenkten Fackel in der Rechten, deren Flamme absehbar erlischt und gleichsam symbolisch für das endende Leben steht.
Sein Haupt ist gestützt im nachdenklichen Gestus, als ob er sich müht, das unbegreifliche Phänomen des unausweichlichen Lebensverlustes zu verstehen.

Unter der beidseitig rosettengezierten steinernen Deckplatte des oberflächlich mit einer Scheinquaderung versehenen Sockels aus feinkörnigem Muschelkalkstein findet sich ein wappenartiges Relief, welches mit einem Schriftband auf die in dieser Grabstätte beigesetzten Glieder der Familie Wostratzky verweist. Darunter zeigt sich in einem Wappenschild der Sechsstern mit dem Kelch sowie die Jahreszahl 1930 als ein Hinweis auf die Zeit der Errichtung dieser familiären Stätte des Totengedenkens.
Das Wappen wird beidseitig flankiert von einer laubgeschmückten Weinrebe und einer ebenso laubumschlossenen Hopfendolde.
Das Relief als ein Abbild des jahrhundertealten Zunftzeichens der Brauer und Mälzer bekräftigt gleichsam die enge Verbindung der Familie mit diesem traditionsreichen Berufsstand.
Seitliche Flügelsteine tragen die Namen und Lebensdaten der in dieser Grabstätte bestatteten Toten der Familie.

*1926 fertigte Kurt Günther das Kriegerdenkmal vor der Heilig-Kreuz-Kirche in Leipzig-Neuschönefeld für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen der Kirchgemeinde.

In Auszügen zitiert aus:
Alfred E. Otto Paul „Die Kunst im Stillen – Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen“
Band No.07 S. 194 ff.

März 2021
Grabmal Ernst Julius Wagner / Fotografie: Angela Huffziger

Das Grabmal des Maschinenfabrikanten Ernst Julius Wagner (1861 – 1913)

Aber am 26. Mai 1913 starb im Alter von erst 51½ Jahren in der Blüte seines Schaffens Ernst Julius Wagner, der Patriarch der Familie und der Begründer dieser erfolgreichen Maschinenfabrik. Eine schwerste Erkrankung hatte ihm den Tod gebracht.
In der XIV. Abteilung des Südfriedhofes, im östlichen Areal der nahegelegenen riesigen Kapellenanlage, erwarb die Witwe eine aus zwei Rabattengräbern bestehende familiäre Grabstätte, in der ihr Gatte nun unter den Tränen seiner geliebten Hinterbliebenen in doppelter Grabestiefe zur letzten Ruhe gebettet wurde.

Ein Jahr später begann der Erste Weltkrieg, und vermutlich blieb es dem seinerzeit 24-jährigen Sohn Ernst nicht erspart, von Anbeginn in diesen Krieg zu ziehen, vielleicht sogar mit freiwilligem Heldenmut.
Während die Witwe Wilhelmine Wagner in den ersten Jahren nach dem frühen Tod ihres Mannes die Firma als alleinige Inhaberin führte, übte sie schließlich ab 1917 die Inhaberschaft in Gemeinschaft mit dem Sohn aus.

Im Frühjahr 1919, nur wenige Monate nach dem Ende des verlustreichen Völkerkampfes, starb der Sohn am 05. April 1919 im Alter von erst 29 Jahren an den Folgen schwerer Verletzungen, die er im Kriege erleiden musste.
So wurde er an der Seite seines Vaters beerdigt.

Offenbar hatte der Krieg in all den Jahren der Not und des Mangels verhindert, dass über dem Grabe des Vaters ein Grabmal errichtet werden konnte.
Nun aber, wo an dieser Stätte neben dem Vater auch der Sohn zu beweinen war, beauftragte Wilhelmine Wagner als Witwe und als Mutter bei einer heute nicht mehr bekannten Leipziger Steinmetzfirma dieses Grabmal.
Vermutlich entstand es erst im Sommer des Jahres 1920 – wegen der Notzeiten nach dem verlorenen Kriege hat man es aus einem Kunststein gefertigt.

Das dreiteilig gegliederte Grabmal erhebt sich etwa zwei Meter über den beiden Gräbern, wobei sich vor dem Mittelteil im erhöhten Sockelbereich eine Pflanzschale befindet, die aber praktisch wohl eher nur eine dekorative Funktion hatte. Darüber befindet sich eine querrechteckige Tafel aus poliertem Syenitgestein, deren Inschrift „Familie Wagner“ auf alle künftig hier bestatteten Toten der Familie verweist, die dann letztlich auf den seitlichen Schrifttafeln namentlich einzeln aufgeführt wurden.
Im Zentrum des Mittelteils befindet sich beidseitig säulenflankiert eine bronzene Relieftafel, die sich dem Abschied des Vaters widmet, beweint von der Ehefrau und von den Kindern, wofür symbolisch der auf dem Bildnis erkennbare kleine Junge steht, der den Segen des scheidenden Vaters empfängt.
Der in einem von einem Strick umschlossenen Gewand gehüllte, sandalengeschnürte Pilger, der sich mit dem Stab in seiner Linken nun auf die letzte große Reise macht, soll hier niemand anders sein als Ernst Julius Wagner. Er hadert nicht mit seinem Schicksal, sondern beginnt scheinbar ganz bewusst und zuversichtlich seinen Weg in Gottes Reich.
Dieses Bildnis sollte auch tröstend wirken auf die hinterbliebenen Glieder der Familie.

Modell No.10267 Bronzerelief / Bildhauer Carl M. Geiling / Katalog der Württembergischen Metallwarenfabrik / Geislingen an der Steige, 1919 / Fotografie: Archiv Alfred E. Otto Paul, Fachbüro für Sepulkralkultur

Das hochrechteckige Bronzerelief ist ein Artikel aus dem Katalog „GRABSCHMUCK“ der WMF Württembergische Metallwarenfabrik Geislingen-Steige bzw. aus deren Abteilung für Galvanoplastik.
Die Signatur auf der Relieftafel bezeichnet C. M. GEILING und benennt also den Düsseldorfer Bildhauer und Maler Carl M. Geiling (1874-1924), der einst diese Arbeit geschaffen und schließlich zum Zwecke industrieller Vervielfältigung an die WMF verkauft hat.
Interessant ist dabei, dass der Bildhauer Geiling gleichermaßen auch mit der Galvanoplastischen Kunstanstalt Heilighaus in gleichartigen Geschäftsbeziehungen stand und auch dort seine Werke entsprechend vervielfältigt vermarktet wurden.
Im WMF Katalog des Jahres 1919 finden wir das am Grabmal Wagner vorhandene Bronzerelief von Carl M. Geiling sogar in unterschiedlicher Gestaltung – einmal unter der Katalognummer 955 wie am Grabmal Wagner vorhanden mit dem Kind, aber auch unter der Katalognummer 10267 unter gänzlicher Weglassung des Kindes.

Die Witwe Wilhelmine Wagner starb nach schwerer Krankheit am 31. März 1924 im Alter von 61 Jahren und 7 Monaten. Ihr Sarg wurde im Grabe des Gatten normaltief über dem Pfostensarg ihres Mannes beerdigt und so ruhen sie bis heute im Tode wieder vereint.

Auszugsweise zitiert aus:
Alfred E. Otto Paul „Die Kunst im Stillen – Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen“
Band No.07 S. 160 ff.

Februar 2021
Grabmal des Naturheilkundlers Louis Kuhne / Fotografie: Heinz-Joachim Halbach

Das Grabmal des Naturheilkundlers Carl Louis Kuhne (1835 – 1901)

Louis Kuhne wurde am 14. März 1835 als Sohn eines Hufschmieds im kleinen Dörfchen Lössen in der Nähe von Delitzsch geboren. Diesen Ort seiner Kindheit sucht man heute vergeblich, denn er wurde ab 1985 devastiert durch den begierigen Kohleabbau des Tagebaues Breitenfeld. Die Gemarkung des Dorfes bedeckt heute das Wasser des Schladitzer Sees.

Louis Kuhne, der in seinen jungen Jahren den Beruf eines Tischlers erlernt hatte, war von einer bemerkenswerten Geschäftstüchtigkeit beseelt. Im Alter von erst 24 Jahren hatte er 1859 bereits eine Fabrikationsstätte zur Herstellung von Tischlerwerkzeugen begründet, die er dann spätestens im Jahre 1863 als Leipziger Bürger in der Colonnadenstraße 21 der prosperierenden Messestadt etablierte.
Schließlich war er ab 1870 auch Inhaber der Leipziger Firma Th. W. Helbig Parfümerie- und Toilettenseifenfabrik und wurde 1878 in gleicher Stadt auch Inhaber des Kammwarengeschäftes Adolf Wille in der renommierten Petersstraße.

Aber trotz dieser beachtlichen unternehmerischen Energie litt er nach eigener Aussage in seinen jungen Jahren unter erheblichen gesundheitlichen Beschwernissen, die ihn letztlich bewogen, sich der Naturheilkunde zuzuwenden. Besonders die Thesen der namhaften Naturheiler Sebastian Kneipp und Theodor Hahn bildeten wichtige Grundlagen seiner eigenen Arbeit, die in vegetarischer Ernährung und hydrotherapeutischer Behandlung einen wesentlichen Schlüssel erfolgreicher Krankenbehandlung gesehen hat.
Am 10. Oktober 1883 gründete er in Leipzig am Floßplatz eine „Internationale Lehranstalt für arzneilose und operationslose Heilung“.
Spätestens 1890, nachdem sein publizistisches Hauptwerk „Die Neue Heilwissenschaft“ erschienen war, begann ein gnadenloser Kampf insbesondere der Leipziger Schulmediziner gegen den außerordentlich erfolgreichen und weithin bekannten Naturheiler Louis Kuhne.
Besonders dessen hydrotherapeutische Reibesitzbäder, durch deren Anwendung er angeblich in besonderem Maße die Onanie fördere, führten hinsichtlich dieser Therapie zu einem amtlichen Verbot des Leipziger Rates, dem endlose Prozesse hierzu folgten und Louis Kuhne immer wieder mit Geldstrafen belegt wurde.

Der ohne jede akademische Ausbildung und auch ohne einen mindesten medizinischen Abschluss tätige Naturheiler trat auch sehr erfolgreich mit Publikationen zur Kindererziehung, zur Gesichtsausdruckskunde oder zur Gesundheitsbewertung an die Öffentlichkeit.
Besonders in einer Großstadt wie Leipzig fand der Naturheiler, der die arznei- und operationslose Heilung propagierte, viel Zuspruch bei Kranken und Gebrechlichen – aber gleichermaßen zogen die akademischen Ärzte gegen ihn zu Felde, verunglimpften ihn durch die Bezichtigung der Kurpfuscherei und auch des Betruges.
Spektakuläre Heilungen von Kranken, die zuvor von so international berühmten Medizinern wie die Professoren Curschmann oder Strümpell aufgegeben waren, stärkten immer wieder die Autorität und das Ansehen des Naturheilkundlers Louis Kuhne.

Grabmal Kuhne – Detail Bronzemedaillon Porträt / Bildhauer Adolf Lehnert / Fotografie: Heinz-Joachim Halbach

Wegen der beständigen Rechtsverfolgungen, denen sich Kuhne ausgesetzt sah, übergab er schon im Dezember 1892 das von ihm begründete Institut seiner Ehefrau Marie Louise Kuhne geb. Bär, die dieses wiederum im Frühjahr 1899 auf den gemeinsamen Sohn Max Louis Kuhne übertrug. Durch derartige juristische Winkelzüge konnte der Naturheiler Louis Kuhne die Arbeit seines medizinischen Institutes aufrechterhalten und sich gleichzeitig gegen die Übermacht seiner Gegner aus der schulmedizinischen Ärzteschaft juristisch zur Wehr setzen.
Seine bereits erwähnte, bedeutendste Schrift mit dem Titel „Die Neue Heilwissenschaft“ erschien beständig in immer neuer Auflage und in zunehmenden Fremdsprachen.
Selbst Jahrzehnte nach seinem Tod wurde noch im Jahre 1936 dieses in 26 Sprachen übersetzte Hauptwerk Louis Kuhnes in seiner 123. Auflage publiziert.

Die juristischen Anfechtungen seiner Gegner brachten den gläubigen Protestanten und Vater dreier Kinder in einem Strafprozess bis vor die Schranken des in Leipzig ansässigen Reichsgerichtes.
Im Januar 1901 endete im Olymp der deutschen Gerichtsbarkeit dieser Prozess wegen Betruges mit einem fulminanten Freispruch für Louis Kuhne.
Aber da waren seine irdischen Tage bereits gezählt – nach kurzer Krankheit folgte ein tödlicher Gehirnschlag. Er starb am Mittwoch, den 03. April 1901 nachmittags um 3 ¼ Uhr als Privatmann im Alter von 66 Jahren und 19 Tagen in seiner standesgemäßen Wohnung im Parterre der Haydnstraße 8, die er gemeinsam mit der Ehefrau seit dem 01. April 1899 bewohnt hatte.
Am darauffolgenden Sonnabend fand am Mittag um 1 Uhr in der Wohnung die Trauerfeier statt, in deren Anschluss die Trauergäste mit bereitgestellten Kutschen dem Leichenwagen mit dem Sarg Louis Kuhnes zum Südfriedhof folgten.

Auszugsweise zitiert aus:
Alfred E. Otto Paul „Die Kunst im Stillen – Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen“
Band No.07 S. 168 ff.

Januar 2021
Grabmal des Restaurateurs Franz Eckardt / Fotografie Heinz-Joachim Halbach

Das Grabmal des Restaurateurs Franz Otto Eckardt (1842 – 1901)

Die Wiege des Franz Otto Eckardt stand im Jahre 1842 im seinerzeit kleinen Städtchen Düben bei Eilenburg, in dem sein Vater Curt Franz Eckardt ein angesehener und wohlhabender Mühlenbesitzer gewesen war.
Nach dem frühen Tode seines Vaters zog er um 1877 mit seiner Ehefrau Lina und seiner verwitweten Mutter Christiane Wilhelmine nach Leipzig, wo er offenbar durch ein ansehnliches Erbe des Vaters in der Lage war, das gut etablierte Restaurant „Baarmann´s Wein- und Bierstube“ zu übernehmen. Als Firma „Franz Otto Eckardt Baarmann´s Nachfolger“ betrieb er fortan sehr erfolgreich diese Unternehmung und wurde sogar zum Hoflieferanten des sächsischen Königshauses wie auch der sächsischen herzoglichen Häuser erhoben. Er wohnte mit der Familie standesgemäß inmitten der Stadt in Baarmann´s Haus am Markt 6 und sicherte durch eine kluge Heiratspolitik die künftige gesellschaftliche Stellung seiner Kinder in der Stadt.

Aber sein so erfolgreiches Leben währte nicht lang. Der Tod begegnete ihm nicht gnädig, sondern ließ ihn vorab sehr leiden, bis er ihn am 30. September 1901 abends um 8 Uhr in seiner Wohnung von fürchterlichen Qualen erlöste. Franz Otto Eckardt wurde 59 Jahre und 19 Tage alt.
Am 03. Oktober 1901, einem Donnerstag, standen zahlreiche Kutschen vor dem Trauerhause am Markt, um die vielen Trauergäste hinauszufahren zum Südfriedhof, wo um 16 Uhr in der damals noch sehr bescheidenen Parentationshalle die Trauerfeier unter der Leitung des hochangesehenen Archidiakons von St. Thomas D. theol. et Dr. phil. Hermann Ferdinand von Criegern (1841-1936) begann.
Danach trug man den schweren Eichensarg in die III. Abteilung des Südfriedhofes zum Erbbegräbnis No.18, dessen einhundertjährige Nutzung der Verstorbene noch zu seinen Lebzeiten am 11. Oktober 1900 erworben hatte. Sein Sarg wurde genau in der Mitte der Grabstätte hinabgesenkt bis in doppelte Grabestiefe, um dereinst darüber seiner Witwe das letzte Ruhelager bereiten zu können.

Wir können durchaus davon ausgehen, dass der totkranke Franz Otto Eckardt im Zusammenhang mit dem seinerzeitigen Erwerb der Grabstätte auch entsprechende Verfügungen hinsichtlich seines Grabmales getroffen hatte und seinen Schwiegersohn, den angesehenen Leipziger Architekten Richard Bauer, mit dem Grabmalprojekt betraute. Bauer wählte in seinem Entwurf den modernen Stil der Zeit, den Jugendstil. Die Ausführung des Grabmales in stelenhafter Form aus nordischem Syenit übertrug er dem angesehenen Leipziger Bildhauer Otto Wutzler.

Grabmal des Restaurateurs Franz Eckardt / Detail Bronzerelief Porträt – Bildhauer Carl Seffner / Fotografie Heinz-Joachim Halbach

Ebenso müssen wir davon ausgehen, dass Franz Otto Eckardt persönlich den renommierten Bildhauer Carl Seffner (1861-1932) mit der Schaffung seines Bildnisses für das Grabmal beauftragte. Zu dieser Zeit arbeitete Carl Seffner bereits an zwei sehr bedeutenden Projekten für Leipzig, dem Denkmal für Johann Sebastian Bach und dem Denkmal für Johann Wolfgang Goethe. Dass Seffner den Auftrag für diese Grabmalbronze übernahm, dürfte aus einem sehr persönlichen Verhältnis resultieren, das er einst zu Franz Otto Eckardt hatte. Signatur und Jahreszahl am Bildnisrelief des Franz Otto Eckardt lassen vermuten, dass Seffner die Modellierung wohl im Frühjahr 1902 begonnen und sehr rasch vollendet hatte. Wenngleich sich seit dem 01. Juli 1899 in Leipzig der Erzgießer Traugott Noack mit seiner Bronzegießhütte etabliert hatte, beauftragte Carl Seffner aber noch die Stuttgarter Erzgießerei Paul Stotz (1850-1899 mit dem Guss dieses bronzenen Reliefbildnisses und der darüber befindlichen Symbole.

Mit Sicherheit war das Grabmal im Spätsommer 1902 vollendet und durch die Firma Otto Wutzler über dem Grabe von Franz Otto Eckardt errichtet. Dabei dürfte das Fundament, wie damals üblich, etwa 180 cm tief gegründet worden sein.

Neben dem Bildnis des verstorbenen Restaurateurs findet sich der Sechsstern, der oftmals falsch interpretiert wird als jüdischer Davidsstern. Er ist hier der Brauerstern, das jahrhundertealte Zunftzeichen der Brauer und Mälzer. Das im Zentrum sichtbare Kelchglas steht symbolisch für den Wein. Also verweist dieses Symbol deutlich auf den Wein- und Bierausschank, mit dem Franz Otto Eckardt viele Jahre lang in Leipzig sehr erfolgreich tätig war.
Über dem Reliefbildnis findet sich erhaben aufgesetzt das bronzene Christusmonogramm, welches flankiert wird vom Alpha und Omega des klassischen griechischen Alphabets als ein religiöses Bekenntnis für das ewige Schöpfungswirken Gottes von Anfang bis ans Ende.

Auszugsweise zitiert aus:
Alfred E. Otto Paul „Die Kunst im Stillen – Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen“
Band No.07 Seite 34 bis 37