Kunstwerke des Monats 2018

Februar 2018
Grabmal Mönch – Foto Ursula Drechsel

Zum 80. Todestag des Friedhofsdirektors Gustav Mönch
Die Grabstätte des Friedhofsdirektors Gustav Adolf Mönch (1859 – 1938)

Fast 38 Jahre hatte Gustav Adolf Mönch sein Lebenswerk – den Leipziger Südfriedhof – seit dessen Einweihung im Jahre 1886 gestaltet und mit zahlreichen hohen Orden wurde er für dieses große Werk geehrt.
Vom einfachen Kunstgärtner hatte es Mönch bis zum Direktor der Städtischen Friedhöfe gebracht, bevor er am 01.April 1924 im Alter von 65 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand trat. Am 20. Februar 1938, einem Sonntag, starb er am frühen Morgen einen gnädigen Tod.

Und dann wurde er sehr bald vergessen. Niemand hat sich ernsthaft gemüht, die Erinnerung an das verdienstvolle Wirken von Gustav Mönch als Schöpfer des Südfriedhofes zu bewahren oder ihn öffentlich zu würdigen. Noch nicht einmal ein Bildnis von Gustav Mönch hatte sich in der Verwaltung des Südfriedhofes oder in anderen Archiven unserer Stadt für die Nachwelt erhalten.

Als der Autor im Jahre 2009 in der „Leipziger Volkszeitung“ an den 150. Geburtstag von Gustav Mönch erinnerte, ergab sich schließlich der Kontakt zu Monika Reuschel geb. Mönch, der letzten noch lebenden Enkelin des legendären Friedhofsdirektors. Und es eröffnete sich ein ungeahnter, seit Generationen gehüteter Schatz der Familie Mönch mit vielen Fotografien und einer sorgfältig erarbeiteten, dreihundert Jahre ausleuchtenden Genealogie der Familie Mönch.
Deshalb war es dem Autor möglich, bereits im zweiten Band dieser Publikation die charismatische Persönlichkeit des Gustav Mönch in den Fokus der friedhofsinteressierten Öffentlichkeit zu rücken und nachfolgend weiter in die Familiengeschichte des Gustav Mönch einzudringen.

Bereits 1891 wurde er Beamter und schon 1892 avancierte Mönch zum Obergärtner des Südfriedhofes, wodurch er zugleich der Stellvertreter des Inspektors Heinrich wurde.
Im April 1893 heiratete Gustav Mönch die attraktive 19-jährige Hedwig Schulze, im Jahr darauf wurde die Tochter Charlotte geboren und wiederum ein Jahr später kam die Tochter Dora auf die Welt. Jahre später, 1901, wurde den glücklichen Eheleuten der einzige Sohn Johannes geboren.  

Gustav Mönchs Vorgesetzter war von Anbeginn der bereits erwähnte Friedrich Ernst Heinrich, der erste Inspektor des Südfriedhofes, ein ehemaliger „Rathsdiener“, dem man bereits 1881 die Leitung des neu eröffneten Nordfriedhofes übertragen hatte.
Aber offenbar wurde der Inspektor Heinrich im Jahre 1894 sehr krank, denn bereits am Ende  dieses Jahres führte Gustav Mönch nachweisbar die Geschäfte des Inspektors.
Schließlich starb Friedrich Ernst Heinrich am Abend des 25. Juni 1895 um 11 Uhr im Alter von erst 44 Jahren 7 Monaten und 20 Tagen nach einem schweren Leiden und wurde am Sonnabendvormittag, den 29. Juni 1895 um 11 Uhr im Rabattengrab No.56 der IV. Abteilung des Südfriedhofes beerdigt*.
Und so wurde der Obergärtner Gustav Mönch der Nachfolger des Inspektors Heinrich und es begann die große, dreißigjährige Ära des Gustav Mönch**, in der der Südfriedhof hinsichtlich der Parkgestaltung als auch der errichteten Baulichkeiten vollendet wurde.
Auch wenn der Stadtbaurat Otto Wilhelm Scharenberg die Pläne für die Baulichkeiten lieferte und der Ratsgärtner Otto Wittenberg die Parkgestaltung prägte, so war Mönch dennoch die große Autoritätsperson, die in alle Gestaltungsprozesse einbezogen wurde. Es ist belegt, dass er nach kritischen Betrachtungen entweder seine Zustimmung gab oder aber auch nachweisbar erfolgreich sein Veto einlegte und dadurch Änderungen bewirkte.
So können wir durchaus in Gustav Mönch den bedeutenden Experten in Friedhofssachen sehen, den begnadeten Gesamtschöpfer des Südfriedhofes, der vom einzelnen Gehölz der riesigen Parkanlage, von der Architektur der Baulichkeiten bis hin zur topografischen Lage und der Architektur der künstlerisch bedeutenden Grabmalschöpfungen alles im Blick hatte und letztlich zu einem Gesamtkunstwerk vereinte.

 

Eheleute Mönch mit den Kindern – Archiv Monika Reuschel

Die gänzlich aus Sandstein errichtete Wandstellenarchitektur präsentiert sich nach antikem Vorbild im klassizistischen Stil, wobei der portikusartige Mittelbau aus der horizontal gegliederten Wandfläche hervortritt und zwei toskanische Säulen einen zahnfries-, triglyphen-  und rosettengeschmückten Architrav tragen, über dem sich ein palmzweiggeschmücktes Giebelfeld aufbaut, welches ursprünglich eine Kreuzbekrönung aufwies.
Die beiden Säulen ruhen auf kräftigen Pfeilern, deren Front mit Lorbeerkränzen geschmückt ist – ein Verweis auf die unvergessenen Verdienste der hier ruhenden Mitglieder der Familie Mönch – und oberhalb mit einem erhaben ausgearbeiteten Mäanderband ihren Abschluss findet.
Ein mächtige halbrunde Tafel aus poliertem schwarzen schwedischen Granit ist geziert mit drei goldenen Sternen, welche die göttliche Trinität symbolisieren und in großbuchstabigen, vergoldeten Lettern verkündet, dass dies die letzte Ruhestätte der Familie Mönch ist.
Ein darunter eingearbeitetes vergoldetes schönes Ornament zeigt im Zentrum drei Mohnkapseln, die auf den ewigen Schlaf der in dieser Gruft ruhenden Toten deuten.  
Die am 09. März 1903 im Alter von 72 ½ Jahren verstorbene Mutter Gustav Mönchs, Mathilde, wurde drei Tage nach ihrem Tod im Pfostensarg in die Gruft eingesenkt, wo sie seitdem an der Seite ihres Mannes ruht.
Später folgten die Särge von Gustav Mönchs Bruder Theodor und dessen Frau, und auch seine unverheirateten Geschwister Hermann und Louise wurden hier beigesetzt.

Gustav Mönchs erfülltes Leben endete nach einem kurzen Leiden nur wenige Tage vor seinem 79. Geburtstag in seiner Stötteritzer Wohnung in der Schönbachstraße 29, ganz in der Nähe des Südfriedhofes. Als Todesursache wird „Herzschwäche“ angegeben.
Drei Tage später fand am Mittwoch, dem 23. Februar 1938, um 11 Uhr in der Hauptkapelle des Südfriedhofes die Trauerfeier statt, der unmittelbar danach gemäß der letzten Verfügung Gustav Mönchs die Einäscherung seines Leichnams im direkt angrenzenden Krematorium folgte – es war 11.46 Uhr.  

Gustav Mönchs Witwe Hedwig Minna Clara geb. Schulze überlebte ihren Mann um 28 ½ Jahre. Sie starb am 01. November 1966 im 93. Lebensjahr.
Hedwig Mönch wollte nicht in der Gruft der Familie beigesetzt werden***, sondern wurde entsprechend ihrer letztwilligen Verfügung in der aus zwei Rabattengräbern**** bestehenden Grabstätte ihrer Eltern in der I. Abteilung des Südfriedhofes beerdigt.
Im Grab No.27, dem Grabe ihrer Mutter, der im Jahre 1931 im Alter von 82 Jahren gestorbenen Lokomotivführers-Witwe Johanne Marie Ferdinande Schulze geb. Reuter, fand sie ihre letzte Ruhe.    

Dieser Artikel besteht aus zahlreichen Auszügen aus der umfangreichen Veröffentlichung in:
Alfred E. Otto Paul  „Die Kunst im Stillen – Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen“  Band No.06 Seiten 82-89

Januar 2018
Grabmal Heinrich Franz – Foto Angela Huffziger

Die Grabstätte des Zigeunerhauptmanns Heinrich Franz  (1863 – 1920)

Am 21. Oktober 1920 erwarb der Leipziger Pferdehändler Franz Moor in der XI. Abteilung des Südfriedhofes die 54 Quadratmeter große Wahlstelle No.172, weil sein Schwager Heinrich Franz vier Tage zuvor im Alter von 57 Jahren in Weimar tödlich verunglückt war.
An diesem Tage hatte es für den Verstorbenen in der Hauptkapelle des Südfriedhofes eine große Totenfeier mit hunderten Gästen gegeben, von denen viele mit einer der über 50 Kutschen gekommen waren.Da der Tote über einen besonderen Status verfügte, wollte man ihm eine standesgemäße Totenstätte errichten, und weil die Verwirklichung dieses Projektes seine Zeit braucht, wurde der Verstorbene in einem prächtigen Pfostensarg zunächst in die Arkadengruft No.5 eingesenkt.

Am 20. Januar 1921 beantragte die Grimmaer Bildhauerfirma Goede und Schille die Errichtung eines Mausoleums „für den Zigeunerhauptmann Franz“, welches dann erst am 12. Mai 1921 genehmigt wurde, nachdem der Leipziger akademische Architekt Walter Gruner entsprechende Zeichnungen etc. nachgereicht hatte.Die Zeichnungen von Walter Gruner lassen die geplante Errichtung einer imposanten Gruft erkennen.Für den Tempelbau war die Verwendung von Postaer oder dem hellen schlesischen Sandstein geplant, die kreuzbekrönte Kuppel sollte mit dunkelblauem portugiesischem Schiefer bedacht werden. Über der offenbar in Bronze herzustellenden, doppelflügeligen Portaltür sollte die sandsteinerne Skulptur eines Rossebändigers thronen. Hochovale verglaste Fenster mit innerer Vergitterung sollten für den nötigen Einfall von Taglicht in den Tempel sorgen, dessen verputzte Innenwandflächen man mit malerischen Dekorationen versehen wollte.

Entwurfszeichnung Grabmal Franz – Foto Petra Anastasia Paul

Im August 1921 aber teilte der Architekt Gruner dem Friedhofsdirektor Gustav Mönch mit, dass die Gruft in deutlich reduzierten Abmessungen errichtet wird, sodass der Gruftbau bereits im Oktober 1921 vollendet werden konnte. Offenbar bewirkte zu dieser Zeit die sich beständig ausweitende Geldentwertung einen Baustillstand. Schließlich erklärte dann am 10. August 1922 die Witwe Maria Franz, dass sie das genehmigte Projekt wegen der Inflation nicht mehr zur Ausführung bringen kann.
Wenige Tage später reichte der Leipziger Bildhauer Kreitel ein überarbeitetes Projekt ein und bat die Behörde mit Verweis auf seine große wirtschaftliche Not um eine entsprechende Baugenehmigung.
Nachdem im September 1922 dann die Firma Goede und Schille einen eigenständigen Entwurf präsentierte, der dem heutigen Bestand entsprach, verzichtete der Architekt Walter Gruner auf eine weitere Beteiligung am Projekt und erhob auch Einspruch gegen eine eventuelle Ausführung seines Tempelentwurfes.
Als die Behörde am 30. Oktober 1922 ihre Zustimmung zum Eigenentwurf der Grimmaer Bildhauerwerkstatt erteilt hatte, begannen dann auch unverzüglich die Arbeiten an der Errichtung der Grabmalanlage, die am 20. April 1923 ihren Abschluss fanden.
In Anwesenheit hunderter Gefolgsleute erfolgte dann am 10. Juli 1923 die Aushebung des Sarges mit der sterblichen Hülle des Zigeunerhauptmanns aus der Arkadengruft und dessen Überführung in diese Gruft.

 

Auszugsweise zitiert aus:
Alfred E. Otto Paul „Die Kunst im Stillen – Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen“ Band No.06  Seite 182 ff.