Kunstwerke des Monats 2021

Januar 2021
Grabmal des Restaurateurs Franz Eckardt / Fotografie Heinz-Joachim Halbach

Das Grabmal des Restaurateurs Franz Otto Eckardt (1842 – 1901)

Die Wiege des Franz Otto Eckardt stand im Jahre 1842 im seinerzeit kleinen Städtchen Düben bei Eilenburg, in dem sein Vater Curt Franz Eckardt ein angesehener und wohlhabender Mühlenbesitzer gewesen war.
Nach dem frühen Tode seines Vaters zog er um 1877 mit seiner Ehefrau Lina und seiner verwitweten Mutter Christiane Wilhelmine nach Leipzig, wo er offenbar durch ein ansehnliches Erbe des Vaters in der Lage war, das gut etablierte Restaurant „Baarmann´s Wein- und Bierstube“ zu übernehmen. Als Firma „Franz Otto Eckardt Baarmann´s Nachfolger“ betrieb er fortan sehr erfolgreich diese Unternehmung und wurde sogar zum Hoflieferanten des sächsischen Königshauses wie auch der sächsischen herzoglichen Häuser erhoben. Er wohnte mit der Familie standesgemäß inmitten der Stadt in Baarmann´s Haus am Markt 6 und sicherte durch eine kluge Heiratspolitik die künftige gesellschaftliche Stellung seiner Kinder in der Stadt.

Aber sein so erfolgreiches Leben währte nicht lang. Der Tod begegnete ihm nicht gnädig, sondern ließ ihn vorab sehr leiden, bis er ihn am 30. September 1901 abends um 8 Uhr in seiner Wohnung von fürchterlichen Qualen erlöste. Franz Otto Eckardt wurde 59 Jahre und 19 Tage alt.
Am 03. Oktober 1901, einem Donnerstag, standen zahlreiche Kutschen vor dem Trauerhause am Markt, um die vielen Trauergäste hinauszufahren zum Südfriedhof, wo um 16 Uhr in der damals noch sehr bescheidenen Parentationshalle die Trauerfeier unter der Leitung des hochangesehenen Archidiakons von St. Thomas D. theol. et Dr. phil. Hermann Ferdinand von Criegern (1841-1936) begann.
Danach trug man den schweren Eichensarg in die III. Abteilung des Südfriedhofes zum Erbbegräbnis No.18, dessen einhundertjährige Nutzung der Verstorbene noch zu seinen Lebzeiten am 11. Oktober 1900 erworben hatte. Sein Sarg wurde genau in der Mitte der Grabstätte hinabgesenkt bis in doppelte Grabestiefe, um dereinst darüber seiner Witwe das letzte Ruhelager bereiten zu können.

Wir können durchaus davon ausgehen, dass der totkranke Franz Otto Eckardt im Zusammenhang mit dem seinerzeitigen Erwerb der Grabstätte auch entsprechende Verfügungen hinsichtlich seines Grabmales getroffen hatte und seinen Schwiegersohn, den angesehenen Leipziger Architekten Richard Bauer, mit dem Grabmalprojekt betraute. Bauer wählte in seinem Entwurf den modernen Stil der Zeit, den Jugendstil. Die Ausführung des Grabmales in stelenhafter Form aus nordischem Syenit übertrug er dem angesehenen Leipziger Bildhauer Otto Wutzler.

Grabmal des Restaurateurs Franz Eckardt / Detail Bronzerelief Porträt – Bildhauer Carl Seffner / Fotografie Heinz-Joachim Halbach

Ebenso müssen wir davon ausgehen, dass Franz Otto Eckardt persönlich den renommierten Bildhauer Carl Seffner (1861-1932) mit der Schaffung seines Bildnisses für das Grabmal beauftragte. Zu dieser Zeit arbeitete Carl Seffner bereits an zwei sehr bedeutenden Projekten für Leipzig, dem Denkmal für Johann Sebastian Bach und dem Denkmal für Johann Wolfgang Goethe. Dass Seffner den Auftrag für diese Grabmalbronze übernahm, dürfte aus einem sehr persönlichen Verhältnis resultieren, das er einst zu Franz Otto Eckardt hatte. Signatur und Jahreszahl am Bildnisrelief des Franz Otto Eckardt lassen vermuten, dass Seffner die Modellierung wohl im Frühjahr 1902 begonnen und sehr rasch vollendet hatte. Wenngleich sich seit dem 01. Juli 1899 in Leipzig der Erzgießer Traugott Noack mit seiner Bronzegießhütte etabliert hatte, beauftragte Carl Seffner aber noch die Stuttgarter Erzgießerei Paul Stotz (1850-1899 mit dem Guss dieses bronzenen Reliefbildnisses und der darüber befindlichen Symbole.

Mit Sicherheit war das Grabmal im Spätsommer 1902 vollendet und durch die Firma Otto Wutzler über dem Grabe von Franz Otto Eckardt errichtet. Dabei dürfte das Fundament, wie damals üblich, etwa 180 cm tief gegründet worden sein.

Neben dem Bildnis des verstorbenen Restaurateurs findet sich der Sechsstern, der oftmals falsch interpretiert wird als jüdischer Davidsstern. Er ist hier der Brauerstern, das jahrhundertealte Zunftzeichen der Brauer und Mälzer. Das im Zentrum sichtbare Kelchglas steht symbolisch für den Wein. Also verweist dieses Symbol deutlich auf den Wein- und Bierausschank, mit dem Franz Otto Eckardt viele Jahre lang in Leipzig sehr erfolgreich tätig war.
Über dem Reliefbildnis findet sich erhaben aufgesetzt das bronzene Christusmonogramm, welches flankiert wird vom Alpha und Omega des klassischen griechischen Alphabets als ein religiöses Bekenntnis für das ewige Schöpfungswirken Gottes von Anfang bis ans Ende.

Auszugsweise zitiert aus:
Alfred E. Otto Paul „Die Kunst im Stillen – Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen“
Band No.07 Seite 34 bis 37