Kunstwerke des Monats 2020

Januar 2020
Grabmal des Hof-Musikalienhändlers Walter Friedel / Fotografie Angela Huffziger

Das Grabmal des Hof-Musikalienhändlers Walter Friedel (1856 – 1916)

Nur unweit von der eindrucksvollen Grabstätte der Familie des Theodor Steingräber, der im Jahre 1878 den gleichnamigen Musikalienverlag begründet hatte, finden wir die Grabstätte seiner Erben, die zu ihren Lebzeiten verdienstvoll das Werk von Theodor Steingräber fortgeführt haben.

Nachdem Theodor Steingräber im Jahre 1904 gestorben war, führte sein Schwiegersohn Walter Friedel gemeinsam mit den beiden Steingräber-Töchtern Mathilde Steingräber und Clara Friedel geb. Steingräber den renommierten Musikverlag erfolgreich weiter.

Aber bald schon, im November 1916, starb Walter Friedel viel zu früh im Alter von erst 60 Jahren.  
Seine Witwe Clara Friedel erwarb zwei Tage nach dem Tode ihres Gatten in der VII. Abteilung des Südfriedhofes für 2.700 Goldmark das hundertjährige Nutzungsrecht an der Wahlstelle No.98.
Am 13. November 1916 wurde der Leichnam des Walter Friedel im Leipziger Krematorium eingeäschert und schon am Folgetag fand in der Grabstätte die Beisetzung der Urne mit seiner Asche statt.
Sicherlich war es den schweren Zeiten des Krieges geschuldet, dass man vorerst auf die Errichtung eines standesgemäßen Grabmales verzichten musste.
Erneut kam großes Leid über die Witwe Clara Friedel, als am 08. Oktober 1918 ihre einzige Tochter Margarethe Heinrich geb. Friedel im Alter von 24 ½ Jahren, ein Jahr nach der Geburt ihres ersten Kindes Hildegard, an der Schwindsucht verstarb.
In einem gediegenen eichenen Pfostensarg wurde sie hier in ihr tiefes Grab gesenkt.

Über zehn Jahre später, am 06. November 1929, ersuchte die Witwe Clara Friedel um die Genehmigung für die Errichtung eines familiären Grabmales. Während von der traditionsreichen Leipziger Steinmetz- und Bildhauerwerkstatt F. G. Damm die Arbeiten an dem aus Muschelkalkstein gefertigten Sockel samt der frontseitigen Beschriftung mit den Namen ihres Gatten und ihrer Tochter nach einem Entwurf des Stuttgarter Kunstbildhauers Eugen Frey ausgeführt wurden, schuf Frey selbst die dann in Erz gegossene, eindrucksvolle aufgesetzte Plastik des Grabmals.
Eine sitzende Frau im langen Gewand, deren Haupt bedeckt ist mit dem Witwenschleier, beugt sich schmerzerfüllt vornüber und hält in ihrer Rechten ein aufgeschlagenes Buch. Diese Frau dürfte symbolisch Clara Friedel darstellen, die hier über den Gräbern ihres früh verstorbenen Gatten Walter Friedel und ihres einziges Kindes, der Tochter Margarethe, ergreifend trauert.
Fortan widmete sie sich dem Verlag, worauf das Buch in ihrer Hand verweist.

Vorab auszugsweise zitiert aus:
Alfred E. Otto Paul „Die Kunst im Stillen – Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen“
Band No.07 (Text urheberrechtlich geschützt)