Kunstwerke des Monats 2022

Januar 2022
Grabmal Ernst Peters / Fotografie: Petra Paul

Das Grabmal des Fleischermeisters Ernst Peters (1869 – 1932)

In der XXII. Abteilung, im südlichen Teil des Südfriedhofes, wurde am 18. Juni 1932 der wohlhabende Leipziger Fleischermeister Ernst Peters beerdigt.
Er war bereits zu Beginn des Jahres am 06. Januar 1932 im Alter von erst 62 Jahren gestorben und man hatte ihn fünf Tage darauf in der benachbarten XXIII. Abteilung in einem Rabattengrab mit der Nummer 297 in einem gediegenen Eichensarg beerdigt.

Vermutlich war sein früher Tod völlig unerwartet gekommen; die Trauerfeier samt sich anschließendem Begräbnis hatte die Familie in der Kürze der Zeit vielleicht überfordert, denn zu rasch mussten die nötigen Entscheidungen getroffen werden.
Jedenfalls hat sich die Witwe dann einige Monate später entschieden, in der erst wenige Jahre zuvor angelegten XXII. Abteilung des Südfriedhofes eine große Grabstätte bestehend aus den vier Rabattengräbern No.135 bis No.138 zu erwerben und ihren verstorbenen Gatten hierher umbetten zu lassen.
Am Sonnabend, den 18. Juni 1932, erfolgte in der Frühe des Morgens die Exhumierung des schweren Pfostensarges aus dem fast drei Meter tiefen Grab und dessen Einsenkung in das tags zuvor doppelt tief geöffnete Rabattengrab No.137.

Noch im gleichen Jahre wurde das prächtige Grabmal aus poliertem dunklen norwegischen Labrador gefertigt, dessen zweistufiger Unterbau sich oben durch eine kräftige Hohlkehle verjüngt und beidseitig mit jeweils einer hochrechteckige Platte bestückt ist, welche für die Beschriftung mit den Namen der hier einst bestatteten Verstorbenen der Familie Peters bestimmt sind.
Dem Grabmal vorgelagert befindet sich ein wuchtiger dreiseitiger Treppenkörper über drei Stufen, über dem auf einer plinthenartigen Platte aus gleichem edlen Material eine lebensgroße weibliche Bronzeplastik montiert ist, die zweifelsfrei symbolisch die hinterbliebene Witwe Marie Peters darstellen soll.
Im faltenreichen Gewand blickt sie wehmütig auf das Grab ihres so zeitig abberufenen Gatten und der Zweig mit den voll erblühten Rosen in ihren Händen deutet auf ihre niemals erlöschende Liebe. Nirgends findet sich ein Hinweis auf den Schöpfer des Grabmales oder der bronzenen Figur und wenngleich dem Autor kein weiteres Exemplar dieser Plastik bekannt ist, so vermuten wir dennoch, dass es sich um eine in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts galvanotechnisch hergestellte Katalogware handelt.

Auszugsweise zitiert aus:
Alfred E. Otto Paul „Die Kunst im Stillen – Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen“
Band No.07, S. 198 ff.