Kunstwerke des Monats 2019

März 2019

Die Grabstätte der Unternehmerdynastie Baumgärtner-Schulz-Schomburgk

Grufthaus Baumgärtner auf dem Alten Johannisfriedhof , Fotografie Hermann Walter, um 1880

Das Baumgärtner´sche Grufthaus auf dem Alten Johannisfriedhof

Leipzigs Aufstieg zur deutschen Großstadt, in der das Buchgewerbe, das Finanzwesen, der Handel und Verkehr eine nie dagewesene Blüte erlebte, ist auch untrennbar mit den Namen Baumgärtner, Schomburgk, Schulz und Heine verbunden, deren Familien sich allesamt durch eine geschickte Heiratspolitik zur elitären gesellschaftlichen Oberschicht aufschwangen, und so über Generationen ihren Klassenerhalt sicherten. Es war die Zeit des 19. Jahrhunderts, in dem aus den Trümmern des von den Habsburgern geführten Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation schließlich der Deutsche Bund geformt wurde, um sich später zum Deutschen Reich, mit einem Hohenzollern-Kaiser an der Spitze, zu wandeln. Es war dies die Zeit bürgerlichen Pioniergeistes, der die Welt nachhaltig veränderte.

Generalkonsul Adam Friedrich Gotthelf Baumgärtner, Gemälde von Friedrich Traugott Georgi

Einer dieser Pioniere war Adam Friedrich Gotthelf Baumgärtner, der Sohn des Altbürgermeisters  Christian Gotthelf Baumgärtner im erzgebirgischen Bergbaustädtchen Schneeberg, der auch als  kursächsischer „Postkommissair“ und Freimaurer über ausgezeichnete Kontakte im Kurfürstentum Sachsen verfügte.
Dieser Sohn gelangte im Jahre 1780 an die Leipziger Universität, wo er die Rechte studieren und die akademischen Weihen erstreben sollte. Aber sehr bald erkannte er die enormen Möglichkeiten für geschäftliche Betätigungen in der Handelsstadt Leipzig und beendete sein ungeliebtes Studium, um sich fortan mit außerordentlichem Erfolg als Kaufmann in Leipzig zu etablieren. 1792 erwarb er die Schladebach´sche Buchhandlung, aus der dann schließlich die Baumgärtner´sche Buchhandlung wurde.
Adam Friedrich Gotthelf Baumgärtner brachte es zum Preußischen Generalkonsul in Sachsen, wurde Preußischer Geheimer Hofrat, erhielt vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. den Roten Adlerorden und konnte sich sogar noch mit einem Doktortitel der Universitäten Wittenberg und auch Jena schmücken.
In den Jahren hatte er eine bemerkenswerte Kunstsammlung zusammengetragen und galt besonders auf dem Gebiet der Malerei als Kunstsammler mit profundester Kenntnis.
Adam Friedrich Gotthelf Baumgärtner hatte Christiane Sophie Reichenbach geheiratet, deren wohlhabende Familie Bankhäuser in Leipzig, Altenburg und auch in Berlin unterhielt.
Der Umstand, dass das 1778 gegründete Bankhaus Reichenbach & Comp. am Berliner Gendarmenmarkt vom Preußenkönig Friedrich II. zum Hofbankhaus ernannt wurde, dürfte auch die Frage beantworten, weshalb Baumgärtners außergewöhnliche Karriere ihr Epizentrum in Preußen hatte.

Aber die angetraute Christiane Sophie Baumgärtner starb in der Blüte ihrer Jahre am 14. September 1798 im Alter von erst 31 Jahren. Sie wurde auf dem Leipziger Alten Johannisfriedhof im barocken Grabhaus No.93 in der III. Abt. beigesetzt, welches dann später, im Jahre 1825, von Adam Friedrich Gotthelf Baumgärtner erworben wurde und seitdem, bis zum heutigen Tage, als die „Baumgärtnersche Gruft“ in die Leipziger Friedhofsgeschichte eingegangen ist.
In einem „Verzeichnis aller in Augsburg, evangelischen Teils geschlossenen Ehen“ fand der Autor den Nachweis, dass der Witwer Friedrich Gotthelf Baumgärtner, Buch- und Kunsthändler in Leipzig, am 20. August 1801 in der dortigen Hauptpfarrkirche St. Anna in zweiter Ehe die Jungfer Rosina Elisabeth Bischoffin geheiratet hatte.
Nachdem Adam Friedrich Gotthelf Baumgärtner am 29. November 1843 im gesegneten Alter von 84 Jahren gestorben war, wurde sein Sarg in der Baumgärtner´schen Gruft an der Seite seiner ersten Frau beigesetzt.

Der Erbe war sein einziger Sohn, der in erster Ehe geborene Julius Alexander Baumgärtner. Dieser führte die Geschäfte des Vaters mit glücklicher Hand würdig fort, wenngleich er bereits im Jahre 1845 begann, die bedeutende Gemäldesammlung seines Vaters samt Bibliothek zu versteigern. Als er aber schon im Jahre 1855 starb, wurde er in der Baumgärtnerschen Gruft bei seinen Eltern bestattet.
Zurück blieb seine erst 34-jährige Witwe Bertha Amalie, die dann später, im Jahre 1860, den Domprobst Friederici ehelichte.

Zitiert aus:
Alfred E. Otto Paul „Die Kunst im Stillen – Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen“ Band No.06  S.55/56

Am 22. Dezember 1883 endete mit der Beerdigung von Dr. Emil Breiter die über sechshundertjährige Begräbnisgeschichte des Alten Johannisfriedhofes, der schließlich säkularisiert wurde.
Die Familie Baumgärtner und ihre Nachkommen erwarben schließlich auf dem Leipziger Südfriedhof zwei Wandstellen und bestimmten diese zur künftigen Grablege der Familie.
 

Nachfolgend wird aus der o.g. Publikation wie folgt zitiert:

 

Das Wandstellenbegräbnis der Familien Baumgärtner-Schulz-Schomburgk auf dem Leipziger Südfriedhof 

Grabstätte der Unternehmerdynastie Baumgärtner-Schulz-Schomburgk, Fotografie Heinz-Joachim Halbach

Am 26. Juni 1900 erwarb die Konsulswitwe Julie Anna Melitta Schulz gemeinsam mit ihren zahlreichen Geschwistern und der noch lebenden Mutter Bertha verehelichte Domprobst Dr. Friederici auf dem Südfriedhof für 1.800 Goldmark die Wandstellen No.68 und No.69 als künftige Grablege der Familie. Und am 17. Oktober des Jahres beantragte sie die Errichtung der Wandstellenarchitektur gemäß der gegenwärtig bestehenden Gestaltung. Als ausführende Firma verweisen die Akten auf die Bildhauer-Werkstatt der Gebrüder Ahnert, die sich zu dieser Zeit erst seit wenigen Jahren in Leipzig etabliert hatte, ihre Tätigkeit aber schon spätestens 1907 wieder einstellen musste.
Die Fertigstellung sämtlicher Steinmetz- und Bildhauerarbeiten, bei denen vorwiegend der sehr helle schlesische Sandstein verwendet wurde, ist schon zum Weihnachtsfest des Jahres 1900 belegt.
Gleich zu Beginn des neuen Jahres beantragte die Familie die Aushebung der Särge mit den sterblichen Resten des Verlagsbuchhändlers Julius Alexander Baumgärtner und des Bankiers Consul Friedrich Gustav Schulz, die dann tatsächlich am 30. März 1901 stattfand, wobei man die „Leiche Baumgärtner“ in einen Kiefer-Pfostensarg umgebettet hatte.
Noch am gleichen Tage fand dann die Beerdigung der beiden Särge in der neuen Grabstätte auf dem Südfriedhof statt.
Insgesamt wurden schließlich im Laufe der Jahre 17 Mitglieder der Familien Baumgärtner, Schulz, Schomburgk und Heine hier zur letzten Ruhe gebettet.

Familienwappen Dr. Schulz, Fotografie Heinz-Joachim Halbach

Erhalten hat sich bis heute ein stimmungsvolles Refugium mit einer andächtigen Aura, die wesentlich von der an Thorvaldsens Christus erinnernden sandsteinernen Skulptur bestimmt wird. Sie befindet sich inmitten einer klassizistischen Portikusarchitektur, wo sie auf zwei granitenen Stufen stehend, vor einer Scheintür aus poliertem schwarzen schwedischen Granit die zu Füßen liegenden Gräber segnet.
Die mächtigen dorischen Säulen mit ihren kräftigen Kanneluren tragen über ihren Kapitellen den schweren Architrav mit seinem Triglyphenschmuck, über dem sich das aus profiliertem Steingebälk gefügte Giebeldreieck aufbaut.
Über der Scheintür betont die Inschrift aus erhabenen, einst goldfarbig gefassten Lettern „Familie Dr. Schulz“ den familiären Charakter dieser Grabstätte, während das auf dem Sturzbalken der Tür so schön und filigran aus dem Sandstein gearbeitete Wappen vom Bürgerstolz sowie einer jahrhundertealten archaischen Tradition der Familie kündet.
Beidseitig wird der Portikus von über granitenen Sockeln errichteten Wänden aus schweren Sandsteinquadern, wie sie einst auch Carl Heine für seine Grabstätte auf dem Neuen Johannisfriedhof gewählt hatte, flankiert. Große Schrifttafeln aus poliertem schwarzschwedischen Granit, deren Anker mit ornamentgeschmückten bronzenen Rosetten versehen sind, tragen die Namen und Titel der hier bestatteten zahlreichen Toten der Familie.
Sandsteinerne Bänke lehnen an den beidseitigen Wandflächen und die die Grabstätte umschließenden Granitschwellen erinnern an die einstigen schmiedeeisernen Gitter, welche die Gräber einst schützten vor unbefugten Besuchern.
          
Kulissenhaft adeln die hundertjährigen Lebensbäume diesen Ort der Ewigkeit, den wir unbedingt bewahren sollten, weil er so einzigartig den Genius loci repräsentiert.

Februar 2019
Grabmal Familie Baurat Julius Zeissig / Fotografie Angela Huffziger

Das Grabmal des Königlich-Sächsischen Baurates Julius Zeißig (1855-1930)

Als der im Jahre 1855 in Olbersdorf bei Zittau geborene Julius Zeißig im Alter von 27 Jahren in Leipzig ein eigenes Architekturbüro gründete, war er bestens gerüstet, um sich neben dutzenden bedeutenden Leipziger Architekten beruflich zu behaupten.
Zeißig hatte zuvor die Zittauer Baugewerkeschule absolviert und anschließend eine zweijährige praktische Tätigkeit in Wien ausgeübt. Dem folgte noch eine solide dreijährige Ausbildung im Büro des namhaften Leipziger Architekten August Friedrich Viehweger.
Und schließlich studierte Zeißig dann noch an der Dresdner Kunstakademie Architektur, um danach in Leipzig seine äußerst beeindruckende Karriere als Bautenschöpfer zu beginnen.
Die im Leipziger Johannapark errichtete Lutherkirche, begonnen im Jahre 1883, wurde sein Erstlingswerk, womit Zeißig als Architekt des Historismus ganz im Sinne des 1861 verabschiedeten Eisenacher Regulativs den Grundstein legte für viele weitere protestantische Kirchenbauten im Königreich Sachsen.
Etwa vierzig Kirchen hat Zeißig in seiner beruflichen Laufbahn neu gebaut oder umfassend erneuert. In Leipzig wollen wir die Lukaskirche in Volkmarsdorf oder die Paul-Gerhard-Kirche in Connewitz nicht unerwähnt lassen und gleichzeitig aber auch auf bedeutende Profanbauten wie das Diakonissen-Krankenhaus in Leutzsch oder die Villa des Kofferfabrikanten Anton Mädler verweisen.  
In den Jahren 1906/1907 errichtete Julius Zeißig nach den Plänen des schwedischen Architekten Lars Wahlmann die Gustav-Adolf-Gedenkstätte in Lützen, um an den dortigen heroischen Schlachtentod des königlichen Glaubenshüters Gustav II. Adolf von Schweden am 06. November 1632 zu erinnern.
Am Tag der Einweihung dieser bedeutenden Stätte des Protestantismus, dem 275. Todestag des großen Schwedenkönigs, erhielt Julius Zeißig den Wasa-Orden 1. Klasse, den
Zeißig unter der Vielzahl der ihm zuteil gewordenen Ehrungen wohl als seine bedeutendste Auszeichnung ansah.

Grabplatte des Baurates Julius Zeissig / Fotografie Ursula Drechsel

Im Jahre 1915, nachdem Zeißig sein sechstes Lebensjahrzehnt vollendet hatte, erwarb er am 08. Oktober für 1.300 Goldmark das hundertjährige Nutzungsrecht am Erbbegräbnis No.01 in der VII. Abteilung des Südfriedhofes.
Jahre später beerdigte Zeißig hier seine Frau, die „Bauraths-Ehefrau“ Clara Thecla Zeißig geb. Meißner, die am 01. Dezember 1923 im Alter von erst 52½ Jahren gestorben war, in einem eichenen Sarg in doppelter Grabestiefe im Grab No.1.
Noch vor Ablauf des Trauerjahres beantragte Julius Zeißig am 05. November 1924 die Genehmigung zur Errichtung eines Grabmales aus Würzburger Muschelkalkstein.
Zwischenzeitlich hatte Julius Zeißig die ursprüngliche Fläche der Grabstätte von 26 qm auf nunmehr 40 qm erweitert und dafür einen „gütlich ausgehandelten Preis“ bezahlt.
Den Transport der Kalksteinblöcke vom Bahnhof zum Friedhof besorgte die Reudnitzer Firma Robert Leuschner, die Errichtung des Grabmales die hiesige Bildhauerwerkstatt Ernst Körner.
Schon bei der Grabmalbeantragung erwähnte Zeißig ausdrücklich das „Relief der Lutherkirche“, allerdings fehlt uns bis heute jeder zuverlässige Hinweis auf den Schöpfer und die Gussstätte dieses Bildwerkes.
Über einem klinkergemauerten Fundament thront über einem zweistufigen Sockel aus Muschelkalkstein der Hauptstein aus gleichem Material, mit seinem satteldachförmigen Abschluss und dem Reliefbild der Lutherkirche, in dem sich auch die Inschrift FAMILIE BAURAT JULIUS ZEISSIG, die den Charakter einer Familiengrabstätte betont, findet.

Mit Sicherheit können wir davon ausgehen, dass am Totensonntag, dem 23. November 1924, das Grabmal wie auch der Grabstein für die hier im Grabe ruhende Ehefrau errichtet war.

Porträt Baurat Julius Zeissig / Archiv Alfred E. Otto Paul / Fachbüro für Sepulkralkultur


Zeißigs Schaffensperiode war um 1915 bereits weitgehend beendet, sodass nur noch wenige, kleine Projekte für die Zeit danach nachweisbar sind. Das letzte Werk von Zeißig dürfte dann der Grabtempel der Fabrikantenfamilie Reinhardt auf dem Südfriedhof gewesen sein.
Im Mittsommer 1929 weilte der kranke Baurat Julius Zeißig im schweizerischen Bad Ragaz, wo er im dortigen Kurhaus und Badhotel „Tamina“ Linderung suchte von den gesundheitlichen Beschwerlichkeiten des Alters.
In dieser Zeit dirigierte Zeißig von seinem schweizerischen Krankenlager aus mit zittriger Handschrift das Projekt der Errichtung des neogotischen Grabtempels aus Freyburger Kalkstein für die Familie des verstorbenen Fabrikanten Edmund Reinhardt.
Als schließlich dieses letzte Werk vollbracht war, erfolgte am 14. Februar 1930 die Einweihung des Grabtempels, bei der Julius Zeißig höchstpersönlich zugegen war.
Aber zu dieser Zeit trennten ihn nur noch wenige Wochen von seinem eigenen Heimgang in die Ewigkeit, seine Stunde schlug am 18. März 1930 „wenige Wochen vor Vollendung seines 75. Lebensjahres“.

 

Auszugsweise zitiert aus:
Alfred E. Otto Paul „Die Kunst im Stillen – Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen“ Band No.06 S. 78 ff.

Januar 2019
Grabstele Oberbürgermeister Zeigner / Fotografie Angela Huffziger

Die Grabstätte des Oberbürgermeisters Erich Zeigner (1886 – 1949)

Ein Leipziger Bildhauer, Gustav Burkhardt (1890-1970), nahm dem verstorbenen Erich Zeigner die Totenmaske ab und formte ebenso für die Nachwelt dessen Hände in Gips.
Im Rahmen eines Staatsaktes fand die Trauerzeremonie in der Kongresshalle im Zoo statt.
Der Minister für Schwerindustrie in der Sowjetischen Besatzungszone, Fritz Selbmann (1899-1975), hielt die Trauerrede.
Der Leichnam von Erich Zeigner wurde am 09. April 1949 im Krematorium des Südfriedhofes eingeäschert.

Und nun wollen wir hier abschließend den Menschen Erich Zeigner würdigen, wie er es wohl verdient hat, und uns auch seinem Grabe widmen.
Durchaus glaubhaft wollte Zeigner als Oberbürgermeister in treuer Demut und ohne Eigennutz seiner Stadt dienen. Von tiefster Symbolik für Zeigners Selbstverständnis in der Amtsführung als Stadtoberhaupt gilt die Tatsache, dass Zeigner unmittelbar nach seinem Amtsantritt die im Leipziger Museum der bildenden Künste befindliche Rodin-Plastik des opferbereiten „Jean d´Aire“, ein Teil des Bronzemonuments „Bürger von Calais“, in seinem Amtszimmer aufstellen ließ.
Wie viele andere linke Zeitgenossen seiner Generation wollte er in jenen Jahren in absoluter Überzeugung und mit aller Kraft für die Errichtung einer gerechteren Welt in einem neuen Deutschland wirken. Einer Welt des sozialen Friedens, der Beseitigung der Standesschranken sowie des wirtschaftlichen Wohlstandes, insbesondere der Arbeiterklasse.
Er sah sich den Menschen seiner Stadt verpflichtet und er, der eigentlich von schwächlicher Konstitution war, hat die Riesenlast getragen, eine neue Kommunalverwaltung aufzubauen und die Enttrümmerung der kriegszerstörten Stadt Tag für Tag auf den Weg zu bringen.
Wohl kein Bürgermeister in der Geschichte dieser Stadt musste einen solchen Kelch leeren, wie er für Zeigner bestimmt war. Und so manche seiner politischen Siege waren auch Pyrrhussiege.
Immer sah er sich als Primus inter Pares – als Erster unter Gleichen.

Und er setzte weitere Zeichen seiner Glaubwürdigkeit. So blieb er höchstbescheiden in der einfachen Mietwohnung in Plagwitz, in der er schon mit den Eltern seit ihrer Ankunft in Leipzig gelebt hatte und in der er auch mit seiner Frau Annemarie und den drei Kindern lebte.
Und auch in der Bestimmung seines Grabesortes zeigte sich diese Glaubwürdigkeit, denn er wollte im einfachen, schlichten Reihengrabe in der XI. Abteilung des Südfriedhofes, in der bereits am 26. August 1916 Zeigners älterer Bruder Fritz, ein Kunstmaler, beerdigt worden war, bestattet werden. Der Musketier Fritz Zeigner erlag damals fünf Tage zuvor in einem Lazarett in Aachen seinen schweren Wunden, die er zuvor auf einem Schlachtfeld des Ersten Weltkrieges in Nordfrankreich erhalten hatte.
Erich Zeigner hatte in seinem Testament auch gebeten, von öffentlichen Trauerakten abzusehen, denn er wollte die inszenierte Theatralik mit ihren Unwahrheiten nicht, er wollte
wohl einen ehrlichen Abschied im Kreis der Familie und weniger Freunde.

Nachdem Zeigners Leichnam eingeäschert war, zeigte man sich allerdings nicht bereit, die Verfügungen des Verstorbenen hinsichtlich seiner Bestattung zu beachten.
Aus dem ursprünglich einfachen „Kriegergrab“ des Bruders Fritz wurde jetzt inmitten der Reihengrabanlage in der XI. Abteilung des Südfriedhofes eine halbwegs „standesgemäße“ Grabstätte konstruiert, indem man insgesamt fünf weitere Reihengräber einzog und diese der Grabstätte für Erich Zeigner zuschlug.
An der Beisetzung der Asche von Erich Zeigner hat nur der engste Zirkel der Familie teilgenommen, sodass wohl keine zwölf Leute an seinem Grabe waren.

Noch im Todesjahr von Erich Zeigner wurde vom Bildhauer Gustav Burkhardt die kräftige,
133 cm hohe Travertinstele sowie das Reliefbild als Vorlage für den Guss des bronzenen Tondo gefertigt.
Die sich heute auf der Stele befindliche Schale aus Travertin ist eine Zutat aus späterer Zeit, die erst nach 1996 hierher gelangte.

In Auszügen zitiert aus:
Alfred E. Otto Paul „Die Kunst im Stillen – Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen“
Band No.06  Seite 102 ff.