Kunstwerk des Jahres

Wandstelle der Verlegerfamilien Volckmar-Voerster-Frentzel / Fotografie Heinz-Joachim Halbach

Die Wandstellen der Verlegerfamilien Volckmar – Voerster – Frentzel

Anlässlich eines Sterbefalles erwarben im Jahre 1900 die drei miteinander verwandten Leipziger Familien Volckmar, Voerster und Frentzel auf dem Leipziger Südfriedhof die Wandstellen No.75, No.76 und No.77.
Nach Ablauf des Trauerjahres beantragte am 01. April 1901 der renommierte Leipziger Architekt und Baumeister Fritz Schade die Errichtung einer architektonisch einheitlich gestalteten Wandstellenarchitektur mit einem vom bedeutenden Leipziger Bildhauer Josef Magr geschaffenen und vermutlich in der Leipziger Erzgießerei Traugott Noack gegossenen bronzenen Bildschmuck aus 4 hochrechteckigen Reliefbildnissen und 3 querrechteckigen bronzenen Tafeln mit den Namen der Inhaberfamilien dieser für einhundert Jahren erworbenen Grabstätten.
Nachdem am 15. April 1901 die nötige Baugenehmigung erteilt war, wurde die Errichtung der Wandstellenarchitektur sofort begonnen und zügig ausgeführt – bereits am 02. September 1901 war das Gesamtwerk einschließlich der bronzenen Bildwerke und Schrifttafeln sowie des prächtigen schmiedeeisernen Einfriedungsgitters fertiggestellt.
Über einem 270 cm tief gegründeten Mauerwerk aus Hartbranntziegeln baut sich über einem kräftigen granitenen Sockel die weitgehend aus Sandsteinquadern bestehende Wandstelle auf, aufgelockert durch eingearbeitete quadratische Bossen und ein horizontal etwa mittig durchlaufendes profiliertes Gesims.
Den künstlerischen Höhepunkt der imposanten, aus drei Wandstellen bestehenden, etwa 15 m breiten Gesamtanlage bilden fraglos die vier Relieftafeln von Josef Magr, die ikonografisch den Tod thematisieren.
Neben dem klassischen Motiv des Thanatos, eines geflügelten Jünglings als Todesbote findet sich der Erzengel Gabriel mit der Trompete zur Ankündigung des Jüngsten Gerichts; eine dritte Tafel symbolisiert den Tod als das Ende des Lebens durch die abgetrennte Krone eines Baumes und gleichsam durch den anfliegenden Nachtvogel.
Die vierte Tafel schließlich zeigt eine Victoria mit dem Palmwedel – sie verkündet symbolisch die Besiegung des Todes durch die göttliche Verheißung des ewigen Lebens.        

Diese bildlichen Darstellungen sind Unikate und auf Leipziger Friedhöfen als Kunstwerke einmalig – selbst überregional sind vergleichbare Zeugnisse der Sepulkralkunst nicht bekannt. Schon wegen ihrer Einzigartigkeit und auch wegen der Autorenschaft des Bildhauers Josef Magr als Schöpfer dieser Bildtafeln ist ihr künftiger Erhalt dringend geboten.

Der Zustand dieser Kunstwerke ist beschämend – das fast dreißig Jahre nach der politischen Wende in unserem Land Kunstwerke von solcher Qualität auf einem so bedeutenden Friedhof wie dem Leipziger Südfriedhof vor aller Augen dem Verfall preisgegeben werden, ist kulturpolitisch höchst bedenklich und fordert einen raschen Beginn ihrer Rettung durch qualifizierte Restaurierung.
Die beigefügten Fotografien von den Bildwerken bedürfen selbst für einen Laien keiner Kommentare – die Schadbilder sind so erheblich und so umfangreich, daß auch eine Einordnung im Sinne einer Gefahr im Verzug nicht annähernd die Dringlichkeit der unverzüglich notwendigen Restaurierung beschreiben kann.

 

Wir erbitten an dieser Stelle dringendst benötigte finanzielle Unterstützung durch Spenden – helfen Sie mit bei der Rettung dieses einmaligen Gesamtkunstwerkes.

Spendenkonto 

Deutsche Bank Leipzig

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Kennwort „Josef Magr“